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Der Tod eines
Tieres
Für viele Menschen gehören Hund,
Katze , Kaninchen, Meerschweinchen und Vogel zur Familie. Ein
Tier ist oft über Jahre hinweg ein vertrauter, enger Gefährte.
Um so bedrückender ist es, wenn das Tier stirbt, altersschwach
oder schwer krank wird. In letzteren Fällen muss dann
oft die schwere Entscheidung getroffen werden, ob das Tier, damit
es nicht weiter leiden muss, eingeschläfert werden
soll.
Dieses Thema ist auch für uns Tierärzte
nicht als Routine in der alltäglichen Praxis anzusehen,
auch wir müssen aber immer wieder die Grenzen der Medizin
akzeptieren und zum Wohle oder Nichtleidenlassen des Tieres entscheiden.
Leider wird dieses Thema jedoch oft bis zum
letzten Tag verdrängt, man will sich mit diesem letzten
Schritt noch nicht befassen. Wir wollen jedoch auch das Thema
Tod und Euthanasie ansprechen und Ihnen die Möglichkeiten
geben, in aller Ruhe über diese Punkte nachzudenken. Als
Grundlage dieses Artikels wurde eine Informationsbroschüre
der Fa.Waltham gewählt, erarbeitet von der Tierärztin
Thekla Vennebusch.
Wann ist
Einschläfern eine Erlösung?
Es ist nicht immer einfach zu erkennen, ob
ein altes oder krankes Tier noch Freude am Leben hat oder ob
es so sehr leidet, dass der Tod eine Erlösung ist.
Das Wichtigste ist, dass diese Frage unabhängig von
den eigenen, persönlichen Ansichten und Ängsten entschieden
wird - allein im Sinne des Tieres. Ein altes oder krankes Tier
leiden zu lassen, die Augen vor seinem Leid zu verschließen,
ist ebenso unverantwortlich, wie ein Tier grundlos oder verfrüht
einschläfern zu lassen.
Unter der Last der Verantwortung und aus der
Sorge heraus, nicht im Sinne des Tieres zu entscheiden, fragen
viele Tierhalter nach objektiven Kriterien für den richtigen
Zeitpunkt. Allgemeingültige Regeln gibt es aber nicht. Folgende
Gründe können jedoch ausschlaggebend sein:
Verlust der Lebensqualität
durch
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unheilbare Krankheiten
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starke Schmerzen
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schwere Unfallverletzungen
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fortgeschrittene Altersschwäche
-
nicht behebbare Umstände,
die die Haltung des Tieres unmöglich machen ( zum Beispiel
extreme auf ein Organleiden beruhende Stubenunreinheit oder Aggressivität
des Tieres)
Einschläfern
-
eine Pflicht
zum Schutz des Tieres?
Laut Tierschutzgesetz ist es verboten, einem
Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden
zuzufügen. Es macht sich strafbar, wer einem Tier länger
anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen zufügt.
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Was aber heißt >> zufügen
<< ? Nicht nur, wer aktiv für Schmerzen und Leid eines
Tieres verantwortlich ist, handelt gegen das Gesetz. Auch wer
Schmerzen und Leid ignoriert, duldet oder verlängert, handelt
unverantwortlich.
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In der offiziellen Tierheimordnung des Deutschen
Tierschutzbundes e.V. steht:
-
" Das Einschläfern von unheilbar kranken Tieren, die
nur unter Schmerzen und Leiden weiterleben können, ist ein
selbstverständliches Gebot des Tierschutzes."
Woran erkenne
ich, ob mein Tier leidet ?
Tierhalter kennen ihr Tier sehr gut. Sie
merken, wenn etwas nicht stimmt, wenn das Tier leidet und die
Freude am Leben verliert. Hinweise hierauf können sein:
Das Tier
-
hat andauernde Schmerzen
und/oder starke Schmerzen
-
kann oder will sich nur
noch sehr begrenzt bewegen
-
kann oder will nicht mehr
fressen und/oder trinken
-
wirkt apathisch, verliert
das Interesse und nimmt kaum noch Anteil an seinem Umfeld
-
verändert sein Verhalten,
ist plötzlich extrem ruhig, scheu oder aggressiv
Zu beachten ist dabei, dass Tiere oft
erst sehr spät zeigen, dass sie Schmerzen haben oder
leiden. Die Natur ist so eingerichtet, damit ein krankes Tier
vom Feind nicht als schwach und damit als leichte Beute erkannt
wird. Allerdings hat die Natur durch die natürlichen Feinde
auch eine Art der Euthanasie, um den langen Leidensweg eines
kranken Tieres abzukürzen ! Ein altes, krankes Tier wird
immer eine leichtere Beute sein als ein junges, ausdauerndes
Tier. So bleiben gesunde Tiere länger für die Fortpflanzung
und Arterhaltung dieser Population erhalten !
In unserer Haustierhaltung fehlt dieser natürliche
Feind. Daher kann es in manchen Fällen sinnvoll sein, ein
unheilbar krankes Tier einzuschläfern, bevor seine Erkrankung
sehr weit fortgeschritten ist. Unnötiges Leiden kann damit
verhindert werden.
Grundsätzlich entscheidend sind also
der Gesundheitszustand des Tieres, Art und Ausmaß seiner
Erkrankung sowie die allgemeine Verfassung. Aber auch das Alter
des Tieres und sein individuelles Wesen sind zu berücksichtigen.
Ein ohnehin sehr ruhiger und bewegungsunfreudiger
Hund wird unter eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten
weniger leiden als ein temperamentvoller Wirbelwind. Eine Katze,
die durch einen Unfall ein Auge verliert, verliert nicht unbedingt
auch ihre Lebensfreude. Sind aber Gehirn und Nerven so geschädigt,
dass das Tier regelmäßig Ausfallserscheinungen
hat, sich nicht mehr selbständig und koordiniert bewegen
kann, ist dies eine Tortur.
Letztlich kann nur der Halter beurteilen,
ob das Leben seines Tieres noch lebenswert oder bereits zur Qual
geworden ist - diese schwere Entscheidung kann ihm leider keiner
abnehmen. Bei offenen Fragen, Unsicherheit und Zweifeln ist der
Tierarzt mit seinem fachlichen Rat - und seiner Erfahrung - eine
wertvolle Hilfe, auf die der Tierhalter vertrauen kann.
Leidet mein
Tier im Tod ?
Der medizinische Fachausdruck für Einschläfern
lautet " Euthanasie
", was aus dem Griechischen kommt und übersetzt
"gutes Sterben
" heißt ( Eu = gut , thanatos = Tod ).
Viele Tierhalter haben dennoch Bedenken, das
Tier könne beim Einschläfern leiden, den Tod bewusst
erleben. Diese Sorge ist unbegründet.
Wird ein Tier eingeschläfert, erhält
es eine Spritze mit einem Narkotikum, genauso wie bei operativen
Eingriffen oder Zahnsteinentfernungen. Das Tier wird so zunächst
in eine tiefe Narkose versetzt, Schmerzempfinden und Wahrnehmung
werden vollkommen ausgeschaltet. Erst danach erhält das
Tier eine Überdosis eines Medikamentes, in tiefer Narkose
hört es dann auf zu atmen, das Herz hört auf zu schlagen.
Das Tier nimmt davon jedoch nichts mehr wahr !
Unter Umständen kann es schon mal sein,
dass sich das Tier während oder nach dem Einschläfern
noch bewegt , Kot oder Harn absetzt. Diese Abläufe finden
aber keineswegs bewusst statt, das Tier bekommt davon nichts
mehr mit. Bei der Muskelbewegung handelt es sich lediglich um
eine Art Reflex, der auf rein biochemische Vorgänge im Körper
zurückzuführen ist. Kot- und Harnabsatz entsteht durch
die Erschlaffung der jeweiligen Schließmuskeln.
Wer soll
in der Schweren Stunde dabei sein ?
Ob man als Halter anwesend sein möchte,
wenn das Tier eingeschläfert wird, ist eine sehr persönliche
Entscheidung, für die es kein allgemeingültiges Richtig
oder Falsch gibt.
Wer glaubt, mit der Situation nicht umgehen
und fertig werden zu können, sollte lieber darauf verzichten.
Diese Frage sollte nicht erst in letzter Minute
entschieden werden. Dies spontan zu tun, wenn die Situation kurz
bevorsteht, kann leicht überfordern. Die daraus entstehende
Unruhe kann sich auf das Tier übertragen. Ebenso sollte
vorher überlegt werden, ob die Begleitung eines nahe stehenden,
vertrauten Menschen hilfreich sein könnte und erwünscht
ist.
War das Tier Mitglied einer Familie mit Kindern,
so sollten auch diese auf Wunsch die Möglichkeit haben,
das Tier in seinen letzten Minuten zu begleiten. Besonders für
Kinder kann es wichtig sein, dass ein vertrautes Tier nicht
einfach aus ihrem Leben verschwindet. Wissenschaftliche Studien
haben gezeigt, dass Kinder, die dabei sind, wenn ihr Tier
ruhig einschläft, und sich so mit eigenen Augen vergewissern
können, dass es ihm dabei gut geht, mit dem Verlust
erstaunlich gut umgehen können.
Aus eigenen Erfahrungen warnen wir jedoch
davor, die Entscheidung, ob ein Tier eingeschläfert werden
muss, auf die Kinder zu übertragen. Diese sind bei Entscheidungen
über Leidenlassen oder Erlösen ihres Heimtieres sehr
oft überfordert, die Entscheidung sollten die Eltern übernehmen
und dem Kind die Gründe deutlich erläutern.
Plötzlicher Tod des Tieres
Stirbt ein Tier bei einem Unfall oder durch
eine akute Notfallerkrankung, bedeutet das für den Halter
die plötzliche Konfrontation mit dem Tod. Er konnte sich
auf den Abschied innerlich nicht einstellen und vorbereiten.
Dadurch kann zunächst ein Schockzustand ausgelöst werden,
sehr oft folgen darauf Schuldgefühle. Der Halter macht sich
Vorwürfe, seine Aufsichts- und Sorgfaltspflicht nicht gerecht
geworden zu sein. Aber kein Tier kann vor allen Risiken bewahrt
werden. Ein gewisser Trost ist:
Das Tier hat dank gewisser Freiheiten
sein Leben besonders intensiv erlebt!
Was passiert
mit meinem verstorbenen Tier?
Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten:
Uns sind zur Zeit folgende
Kleintier-Bestattungsfirmen in unserer Umgebung bekannt:
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Abendrot, Hofheim-Wallau Tel: 0176 / 66
66 11 29
Pax animalis, Griesheim Tel: 0800/8437868
Tierfrieden, Idstein Tel: 06126 /
584777 |
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Eine weitere Möglichkeit ist, dass
das verstorbene Tier von seinem Halter mitgenommen wird. Dann
ist er dafür verantwortlich, dass das Tier nach gesetzlichen
Vorschriften beerdigt oder verbrannt wird.
Tierhalter mit einem eigenen Grundstück
können ihr Tier selbst beerdigen. Vorausgesetzt, das Grundstück
liegt nicht in einem Wasserschutzgebiet. Ferner muss das
Grab in einem ausreichenden Abstand zu öffentlichen Wegen
angelegt werden und mindestens 50 cm unter der Erdoberfläche
liegen.
In Wiesbaden ist die Bestattung auf dem eigenen Grundstück erlaubt!
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Ausnahmen:
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In Parks, öffentlichen Grünanlagen oder im
Wald dürfen Tiere nicht begraben werden.
Wer kein eigenes Grundstück besitzt, kann
aber das Angebot und den Dienst von Tierfriedhöfen oder Tierkrematorien in
Anspruch nehmen.
Trauer um
das Tier - ist das normal ?
Trauer ist ein Teil jeder Beziehung zwischen
zwei Lebewesen. Die Mensch - Tier - Beziehung bildet da keine
Ausnahme. Eine Zeit der Trauer nach dem Tod eines Tieres ist
also völlig normal.
Die Trauer um ein Tier gestaltet sich individuell
und kann unter Umständen sehr intensiv sein und lange dauern.
Der Tierhalter sollte versuchen, sich nicht dagegen zu wehren
und seine Traurigkeit zu akzeptieren.
Der Verlust betrifft aber nicht nur den vertrauten
Gefährten, sondern auch die gemeinsamen Aktivitäten,
zum Beispiel Spaziergänge oder gemütliche Schmusestunden
auf dem Sofa. Dass auch dieses vermisst wird, muss
erkannt und akzeptiert werden. Wer sich dafür Zeit lässt,
schafft es meist leichter, die Trauer zu überwinden.
Was hilft
bei der Trauer ?
Der Tränen und Trauer um einen geliebten
Familienangehörigen, auch eines Tieres, sollte sich niemand
schämen !
Gespräche mit Freunden oder der Familie
helfen meistens am besten. Nicht immer kann aber erwartet werden,
dass diese die Trauer um ein Tier wirklich nachempfinden
und verstehen können. Dies ist nicht etwa böse Absicht,
sondern lediglich Ausdruck unterschiedlicher Sichtweisen und
Erfahrungen. Dennoch ist die Trauer eines Tierhalters normal
und sein gutes Recht - auch wenn das Umfeld dies nicht unbedingt
immer anerkennt. Verständnisvolle Zuhörer können
auch der Tierarzt oder sein Praxisteam sein. Sie erleben tagtäglich
Freud und Leid mit Tieren und können die Gefühle eines
trauernden Tierhalters verstehen.
Vielleicht kann der Tierarzt Kontakt zu anderen
Tierhaltern, die in der gleiche Situation sind, vermitteln, so
dass die Trauer um ein Tier gemeinsam bewältigt werden
kann.
Wer trotz allem merkt, dass er mit seiner
Trauer allein nicht fertig wird, sollte einen Besuch beim Tierarzt
oder Hausarzt nicht scheuen. Diese stehen bei der Suche nach
einer geeigneten professionellen Beratung und Hilfe gern zur
Seite.
Soll ein
neues Tier ins Haus ?
Manche Menschen können sich ein Leben
ohne Tier nicht vorstellen. Sie suchen sich im Tierheim oder
beim Züchter sofort einen neuen Gefährten. Andere können
sich nicht sogleich dafür entscheiden. Wie auch immer sich
ein Tierhalter verhält, wichtig ist allein, dass er
den für sich richtigen Zeitpunkt und Weg findet.
Die Dinge zu überstürzen ist weder
im Sinne des Tierhalters noch des neuen Tieres.
Sinnvoll kann es sein, sich frühzeitig
zu überlegen, was wird, wenn das alte Tier einmal sterben
sollte. Also bereits dann, wenn es in die Jahre kommt oder krank
wird. Oft ist es vorteilhaft, schon dann ein zweites, junges
Tier ins Haus zu holen. Das zweite Gefährte schafft Lebensfreude
und hilft, die spätere Trauer um das erste Tier zu erleichtern.
© 2000 - 2011
Text und Bilder: Dr.
Kristine Hucke, Wiesbaden
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