Dr. med. vet. Kristine Hucke, prakt. Tierärztin
Dotzheimer Str. 135a, 65197 Wiesbaden
Telefon: 0611 / 48908
 
 

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Wie finde ich den richtigen Tierarzt? 

  von Malte Kubinetz (gekürzt)

Bemerkung vom Autor: Wenn im folgenden von Tierärzten die Rede ist, so können das natürlich auch Tierärztinnen sein! Wenn im folgenden von Tierarzthelferinnen die Rede ist, so können das natürlich auch Männer sein! Das alte Rollenspiel ist ja sowieso längst überholt: Die allermeisten neu eröffneten Tierarztpraxen werden übrigens von Tierärztinnen geleitet - der Tierarzthelfer allerdings ist immer noch eine Rarität.

 

Die Unsicherheit

 

Mit den Tierärzten ist es wie mit den Menschenärzten auch. Wenn Sie zum ersten Mal hingehen, wissen Sie eigentlich nicht genau, was Sie erwartet. Außerdem haben es Ärzte wie keine zweite Berufsgruppe so an sich, dass sie die Qualität ihrer Leistung nicht im Vordergrund präsentieren: Es ist gar nicht so leicht, herauszubekommen, ob Sie einen Guten oder einen Schlechten erwischt haben. Die meisten Tierärzte gewinnen neue Kunden durch Mundpropaganda: Hundebesitzer tauschen ihre Erfahrungen beim gemeinsamen Spaziergang aus, Katzenbesitzer fragen ihre Nachbarn um Rat. Und gleich hier wird es aber auch schon heikel: Erfreulich für den Berufsstand: Die meisten Tierbesitzer sind mit ihrem Tierarzt zufrieden: Von fünf verschiedenen Hundehaltern werden Sie vermutlich auch zu fünf verschiedenen Tierärzten geschickt. Fragen Sie auch nicht, ob der betreffende Tierarzt nett ist! Nett sind sie alle! Wer den ganzen Tag seinem Hobby nachgehen kann und mit putzigen Kreaturen zu tun hat, der ist nett. Garantiert! Auch das ist kein Unterscheidungsmerkmal. Fragen Sie doch gleich mal praktischer: Sind die Helferinnen nett? Kann ich bequem parken? Sind die Sprechzeiten so gestaltet, dass ich auch neben Beruf und Kinderbetreuung noch ausreichend Zeit für einen Besuch habe?

 

Das wirklich Wichtige

 

 
Für mich als Tierarzt, der ich die Problematik ja gewissermaßen von links herum betrachte, stellt sich die Situation so dar: Zunächst einmal brauchen Sie einen Tierarzt für die Alltagssorgen und "das übliche". Sie können heutzutage von einer modernen Tierarztpraxis erwarten, dass Ihr Tierarzt sich ein intensives Spezialwissen über Hunde, Katzen und Kleintiere angeeignet hat und auch vermeintlich exotische Fragen (was muss ich beachten, wenn ich mein Kaninchen mit nach Griechenland nehmen will? Mein Hamster beknabbert sein Rad! Meine Katze pinkelt über den Rand vom Katzenklo! usw.) beantworten kann. Andererseits müssen Sie in Kauf nehmen, dass er von Rindviechern beispielsweise nur das Grundwissen parat hat. Was soll's! Haben Sie etwa Rinder? Sie können auch erwarten, dass Ihr Tierarzt darüber hinaus seine Grenzen kennt und Sie in wirklichen Spezialangelegenheiten an die entsprechenden Kollegen überweist.
 
Vertrauen ist gut...

 

 
Der zweite wichtige Punkt - wieder aus meiner umgekehrten Sichtweise - ist eine vollständige Karteikarte. Kaum eine Krankheit lässt sich richtig einordnen, wenn man die Vorgeschichte nicht kennt. Eine lückenlose Kartei ist da das Allerwichtigste. Tierbesitzer, die dazu neigen, je nach Fall ihren Tierarzt nach dem Preis für die Impfung zu wählen, nehmen dabei enorme Nachteile in Kauf. Ein Tierarzt, der Sie lange genug kennt, sieht Ihrem Tier vieles schon an der Nasenspitze an. Für den Rest hat er dann noch seine Kartei. Wie also finden Sie einen solchen Tierarzt? Ich kann Sie nur ermutigen, ihm auf die Finger zu schauen. Nur das, was Sie selbst beurteilen können, schafft auch Vertrauen. Und Vertrauen ist der Anfang von Allem. Macht er sich Aufzeichnungen für seine Kartei? Weiß er noch, was beim letzten Mal los war? Kann er Ihnen den Zustand und die zu treffenden Maßnahmen so erläutern, dass Sie es auch verstanden haben? Kann er Ihnen z. B. ein Röntgenbild so erklären, dass Sie nachher mehr sehen, als schwarz und weiß? Kann er Sie schließlich zur Mitarbeit motivieren, z. B. indem er Ihnen mehr abverlangt, als Sie sich eigentlich vorgestellt hatten: 5 Bestrahlungen (das heißt auch: 5 x wiederkommen!) statt der schmerzstillenden Spritze, die Sie erwartet hatten, oder eine zusätzliche Blutuntersuchung vor der Narkose, obwohl Sie dachten, das sei eigentlich nicht nötig? Sehen Sie: Dieser Tierarzt hat bereits Ihr Vertrauen gewonnen, weil er Sie nicht im Unklaren lässt, Ihnen die Situation erklärt hat in Sätzen, die Sie verstanden haben, weil er Verständnis hat für Ihr Tier und weil er Ihnen den besten Weg zeigt, wie Ihr Tier wieder gesund wird. Zu einer Erfolg versprechenden Therapie gehört auch, dass sich Ihr Tierarzt nicht nur für die Krankheit, sondern auch für die Gesundheit Ihres Tieres interessiert. Wundern Sie sich nicht, wenn er Sie zu einer Kontrolluntersuchung wiederbestellt, wundern Sie sich lieber, wenn er es nicht tut! Wundern Sie sich auch nicht, wenn er auf regelmäßige Checkups besteht, um bei Ihrem älteren Tier eine Früherkennung möglicher Leiden zu ermöglichen. Genau dies erwarten Sie ja auch von Ihrem Hausarzt.
 

Mit Einfühlungsvermögen  

 
Viele Untersuchungen lassen sich bei Tieren nur in einer entspannten, vertrauensvollen Atmosphäre durchführen. Gerade bei den ersten Besuchen mit Hunde- oder Katzenwelpen werden hier die Weichen für eine "gute Zusammenarbeit" gestellt. Beurteilen Sie, was der Tierarzt unternimmt, um Ihrem kleinen Petzi den Aufenthalt angenehm und zu einem Erlebnis zu machen. Bei den ersten Besuchen beim Tierarzt werden häufig vor allem Vorsorgeuntersuchungen vorgenommen, die für den Patienten weder mit Schmerzen noch mit Unannehmlichkeiten verbunden sind. Dies muss Ihr Tierarzt für sich nutzen können, damit Ihr Tier beim nächsten Mal mit Freuden wiederkommt. Auch eine Impfung sollte Ihr Tierarzt ohne bleibenden seelischen Knacks bei Ihrem Tier hinbekommen. Wenn Ihr Tier schon bei diesen Untersuchungen keinen Spaß hat, wird es sich auch später verkrampfen und die diagnostische Arbeit erschweren. Ihr Tierarzt sollte das wissen. Schauen Sie ihm ruhig auf die Finger. Eine besondere Rolle kommt hierbei den Helferinnen zu. Natürlich können Sie erwarten, dass sie Ihnen gegenüber am Telefon oder auch in der Sprechstunde höflich und hilfsbereit sind! Ebenso wichtig ist aber auch, dass die Helferinnen Ihr Tier verstehen, dessen Namen kennen und sich um das Wohlergehen des Patienten besorgen. Wenn sich niemand um Ihre Probleme sorgt, sollten Sie lieber wieder nach Hause gehen! Tierarzthelferinnen haben einen recht komplexen Job: Neben dem als direktem Ansprechpartner für Ihr Tier und für Sie obliegt ihnen die gesamte Organisation der Praxis, gleichzeitig sind sie für die Hygiene und Sauberkeit der Praxis, die gute Laune, die Wärme des Kaffees, den Medikamentenein- und verkauf, die Buchführung, die Terminplanung, das Blumengießen und tausend andere Sachen verantwortlich. Wer einen solchen Job ausübt und dann auch noch mit den Tierschicksalen fertig werden kann, die manchmal ganz schön an die Nieren gehen können, der ist ein absoluter Tiernarr und Tiermedizinfreak, sonst hält er den Stress, die vielen Überstunden und die schlechte Bezahlung nicht aus! Für Sie als Kunde ist jedoch wichtig: Wenn Sie im Sprechzimmer sind, sind Sie die Hauptperson, Ihr Tier der König und die anderen Probleme dürfen Sie noch nicht einmal erahnen. Sollte dem Mädchen dieser Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit gelingen, geben Sie ihm ein Trinkgeld, wenn nicht, erkennen Sie aber das Bemühen, dann hat es vielleicht nur Muskelkater vom vielen Spagat. Lassen Sie sich dann beim nächsten Mal einen Termin zu einer erwartungsgemäß ruhigen Zeit geben. Herrscht dann immer noch Chaos - Good bye!
 
Preis-Wert

 

 
Ein paar Worte zu den Preisen: Ich kann verstehen, dass manche Tierärzte das Feilschen überhaben. Niemandem macht es Spaß, seinen Wert nur nach den Sonderangeboten bemessen zu sehen. Andererseits sollen Sie auch nicht mit der Ungewissheit zum Tierarzt gehen, nicht zu wissen, ob Sie sich die Therapie leisten können. Es ist nun mal gerade so, dass tierärztliche Leistungen nicht zu den Dingen des alltäglichen Lebens gehören und deshalb auch niemand einschätzen kann, was sie wert sind. Erkundigen Sie sich, mit welchen Zahlungsmitteln Sie Ihrem Tierarzt kommen können: Viele Praxen akzeptieren Kreditkarten, Euroschecks oder buchen im Lastschriftverfahren von Ihrem Konto. Das hilft auch bei unvorhergesehenen Besuchen. Wenn Sie schon Preise vergleichen wollen, dann lassen Sie sich aber auch erklären, was alles darin enthalten ist. Eine Operation kann für 150 Euro angeboten werden - ohne Untersuchung, ohne Narkose (!) und ohne Nachbehandlung - oder für 300 Euro, dann aber komplett. Achten Sie aber auch darauf, dass die Preisfindung nachvollziehbar bleibt. Ein Arzt, bei dessen Preisen grundsätzlich eine Null an der letzten Stell vor dem Komma steht, kann unmöglich genau gerechnet haben. Eher schon schnell geschätzt. Bleibt die Frage, ob er auf- oder abgerundet hat.

 

© 2000 -2010 Text und Bilder: Dr. med. vet. Kristine Hucke, Wiesbaden