Dr. med. vet. Kristine Hucke, prakt. Tierärztin
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Wie kann ich meinem Kind helfen in der Trauer?

Ein Hund ist für Kinder engster Vertrauter und bester Freund.

Die emotionale Bindung ist sehr stark. Stirbt der Hund, ist dies für viele Kinder ein einschneidendes Erlebnis. Oft die erste Erfahrung mit dem Tod. Für Eltern eine Situation, der sie teils ratlos gegenüberstehen. Sie sind unsicher, wie sie ihrem Kind hilfreich zur Seite stehen können.

Wichtig ist es, die Trauer des Kindes ernst zu nehmen,

und offen und ehrlich über alles miteinander zu sprechen. Dazu gehört auch, die eigene Traurigkeit zuzugeben. Verständnisvolle Worte wie " Ich kann Dich gut verstehen, Bella fehlt mir auch " tun einem Kind weitaus besser als ein tröstendes " Du musst nicht traurig sein". Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Trauer erlaubt, ja sogar positiv ist, nämlich ein Zeichen für eine enge Verbindung und Freundschaft.

Die Erfahrungen zeigen, dass es das Beste ist, im Gespräch mit dem Kind möglichst nah bei der Wahrheit und Realität zu bleiben.

Umschreibungen wie " Dein Freund ist eingeschlafen und jetzt im Tierhimmel " sind zu unkonkret, zu " märchenhaft ". Sie decken das Erlebnis nur zu, ermöglichen aber nicht eine innere Auseinandersetzung. Kinder wollen wissen, warum ihr bester Freund nicht mehr da ist, wo er ist, und was aus ihm geworden ist. Kinder, die dies nicht erfahren, können nur schlecht verkraften, dass der treue Gefährte sie einfach im Stich gelassen hat, ohne erkennbaren Grund. Daher sollten Sie Ihr Kind - auch wenn der Wunsch, ihm Schmerzen zu ersparen, verständlich ist - schonend und kindgerecht mit den Tatsachen konfrontieren.

Kinder sind sehr "körperlich", können nicht "abstrakt" empfinden.

Sie können den Tod nur begreifen, wenn sie etwas sehen und anfassen können. Daher ist es durchaus sinnvoll, dass sich das Kind von seinem Hund verabschiedet, beim Einschläfern dabei ist oder ihn anschließend noch mal sehen und streicheln kann. Wichtig ist dabei, dass das Kind stets selber entscheiden darf, was es will. Bei der Bewältigung von Trauer helfen Rituale. Ein Abschiedsbrief, aufgestellte Fotos oder aber auch Gespräche, in denen man sich gemeinsam des alten Freundes erinnert. Zieht sich Ihr Kind hierbei zurück, sollten Sie es gewähren lassen. Oft aber hilft es ihm schon, wenn es merkt, dass sich seine Eltern mit dem Tod des Tieres auseinandersetzen. es signalisiert ihm, dass es erlaubt ist, Gefühle und Trauer zu zeigen, und kann, wenn es möchte, Gebrauch davon machen.

Manche Kinder ziehen sich zurück,

verlieren vorübergehend den Appetit oder die Freude am Spielen. Andere werden überaktiv, laut und wütend, vielleicht sogar aggressiv. Nicht selten suchen Kinder einen Schuldigen für das Geschehene. Sie beschimpfen dann den Tierarzt oder die Eltern, nicht genug aufgepasst zu haben und für den Tod des geliebten Freundes verantwortlich zu sein. Zeigen Sie Verständnis dafür. Manchmal treten auch alte, überwundene Ängste auf. Die Kinder fürchten sich plötzlich allein im Dunkeln, lutschen wieder Daumen oder nässen ins Bett. in diesen Fällen müssen Sie verständnisvoll sein, die vorübergehenden Emotionen wieder zulassen, und Ihrem Kind vermehrt Sicherheit geben.

Äußert Ihr Kind den Wunsch nach einem neuen Tier,

sollten Sie diesem durchaus positiv gegenüberstehen, ihn aber nicht sogleich erfüllen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind, was für ein Tier es sich wünscht, wie es aussehen und heißen soll. Lesen Sie gemeinsam Bücher über die Neuanschaffung eines Tieres und planen Sie für die Zukunft. Aber geben Sie sich und Ihrem Kind Zeit, erst einmal in Ruhe Abschied von dem alten Freund zu nehmen, und die Trauer zu verarbeiten.

Thekla Vennebusch, Tierärztin

Ein Buch hilft, darüber zu reden:

Adieu, Herr Muffin
von Ulf Nilsson und Anna-Clara Tidholm
Moritz Verlag, Frankfurt a. Main, 2003
40 Seiten, 12,80 Euro
 

Buchbesprechung von Ellen Stähr, Bonn:

Herr Muffin ist ein Meerschweinchen. Ein Meerschweinchen, dessen Tage gezählt sind. Er ist sieben Jahre alt und wohnt in einem umgedrehten blauen Karton. Herr Muffin bekommt gerne Post. Auch wenn er seine Briefe meistens aufisst. Oft sitzt er in seinem blauen Haus und denkt an sein Leben. Eines Tages hat er Schmerzen - und die Tierärztin schüttelt nach der Untersuchung den Kopf, und dann ist Herr Muffin plötzlich tot.

 Dieses ungewöhnliche Bilderbuch über den Tod kommt aus Schweden. Ein Buch, das den höchsten Preis für ein schwedisches Kinderbuch erhielt, den August-Strindberg-Preis. Auch ich hatte als Kind ein Meerschweinchen. Und ich erinnere mich deutlich an die tiefe Trauer, die ich empfand, als es starb. Wenn Kinder mit dem Tod eines geliebten Haustieres konfrontiert werden, kann ein solches Buch helfen. Ein Buch, das anrührt, tröstet und die Angst nimmt. Anna-Clara Tidholm und Ulf Nilsson schaffen es mit "Adieu, Herr Muffin", uns einen Moment innehalten zu lassen, um mit Kindern über Leben und Tod nachzudenken.

© 2000 - 2011 Text und Bilder: Dr. Kristine Hucke, Wiesbaden