Ein Hund ist für Kinder
engster Vertrauter und bester Freund.
Die emotionale Bindung ist sehr stark.
Stirbt der Hund, ist dies für viele Kinder ein einschneidendes
Erlebnis. Oft die erste Erfahrung mit dem Tod. Für Eltern
eine Situation, der sie teils ratlos gegenüberstehen. Sie
sind unsicher, wie sie ihrem Kind hilfreich zur Seite stehen
können.
Wichtig ist es, die Trauer
des Kindes ernst zu nehmen,
und offen und ehrlich über alles miteinander
zu sprechen. Dazu gehört auch, die eigene Traurigkeit zuzugeben. Verständnisvolle Worte wie " Ich
kann Dich gut verstehen, Bella fehlt mir auch " tun einem
Kind weitaus besser als ein tröstendes " Du musst nicht
traurig sein". Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Trauer erlaubt,
ja sogar positiv ist, nämlich ein Zeichen für eine
enge Verbindung und Freundschaft.
Die Erfahrungen zeigen,
dass es das Beste ist, im Gespräch mit dem Kind möglichst
nah bei der Wahrheit und Realität zu bleiben.
Umschreibungen wie " Dein Freund ist
eingeschlafen und jetzt im Tierhimmel " sind zu unkonkret,
zu " märchenhaft ". Sie decken das Erlebnis nur
zu, ermöglichen aber nicht eine innere Auseinandersetzung.
Kinder wollen wissen, warum ihr bester Freund nicht mehr da ist,
wo er ist, und was aus ihm geworden ist. Kinder, die dies nicht
erfahren, können nur schlecht verkraften, dass der treue
Gefährte sie einfach im Stich gelassen hat, ohne erkennbaren
Grund. Daher sollten Sie Ihr Kind - auch wenn der Wunsch, ihm
Schmerzen zu ersparen, verständlich ist - schonend und kindgerecht
mit den Tatsachen konfrontieren.
Kinder sind sehr "körperlich",
können nicht "abstrakt" empfinden.
Sie können den Tod nur begreifen,
wenn sie etwas sehen und anfassen können. Daher ist es durchaus
sinnvoll, dass sich das Kind von seinem Hund verabschiedet, beim
Einschläfern dabei ist oder ihn anschließend noch mal
sehen und streicheln kann. Wichtig ist dabei, dass das Kind stets
selber entscheiden darf, was es will. Bei der Bewältigung
von Trauer helfen Rituale. Ein Abschiedsbrief, aufgestellte Fotos
oder aber auch Gespräche, in denen man sich gemeinsam des
alten Freundes erinnert. Zieht sich Ihr Kind hierbei zurück,
sollten Sie es gewähren lassen. Oft aber hilft es ihm schon,
wenn es merkt, dass sich seine Eltern mit dem Tod des Tieres
auseinandersetzen. es signalisiert ihm, dass es erlaubt ist,
Gefühle und Trauer zu zeigen, und kann, wenn es möchte,
Gebrauch davon machen.
Manche Kinder ziehen sich
zurück,
verlieren vorübergehend den Appetit
oder die Freude am Spielen. Andere werden überaktiv, laut
und wütend, vielleicht sogar aggressiv. Nicht selten suchen
Kinder einen Schuldigen für das Geschehene. Sie beschimpfen
dann den Tierarzt oder die Eltern, nicht genug aufgepasst zu
haben und für den Tod des geliebten Freundes verantwortlich
zu sein. Zeigen Sie Verständnis dafür. Manchmal treten
auch alte, überwundene Ängste auf. Die Kinder fürchten
sich plötzlich allein im Dunkeln, lutschen wieder Daumen
oder nässen ins Bett. in diesen Fällen müssen
Sie verständnisvoll sein, die vorübergehenden Emotionen
wieder zulassen, und Ihrem Kind vermehrt Sicherheit geben.
Äußert Ihr Kind
den Wunsch nach einem neuen Tier,
sollten Sie diesem durchaus positiv gegenüberstehen,
ihn aber nicht sogleich erfüllen. Sprechen Sie mit Ihrem
Kind, was für ein Tier es sich wünscht, wie es aussehen
und heißen soll. Lesen Sie gemeinsam Bücher über
die Neuanschaffung eines Tieres und planen Sie für die Zukunft.
Aber geben Sie sich und Ihrem Kind Zeit, erst einmal in Ruhe Abschied
von dem alten Freund zu nehmen, und die Trauer zu verarbeiten.
Thekla Vennebusch, Tierärztin
Ein Buch hilft, darüber zu reden:
Adieu, Herr Muffin
| von Ulf Nilsson und Anna-Clara
Tidholm |
| Moritz Verlag, Frankfurt a.
Main, 2003 |
| 40 Seiten, 12,80 Euro |
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Buchbesprechung von Ellen
Stähr, Bonn:
Herr Muffin ist ein Meerschweinchen. Ein
Meerschweinchen, dessen Tage gezählt sind. Er ist sieben Jahre alt und wohnt in
einem umgedrehten blauen Karton. Herr Muffin bekommt gerne Post. Auch wenn er
seine Briefe meistens aufisst. Oft sitzt er in seinem blauen Haus und denkt an
sein Leben. Eines Tages hat er Schmerzen - und die Tierärztin schüttelt nach
der Untersuchung den Kopf, und dann ist Herr Muffin plötzlich tot.
Dieses ungewöhnliche Bilderbuch über
den Tod kommt aus Schweden. Ein Buch, das den höchsten Preis für ein
schwedisches Kinderbuch erhielt, den August-Strindberg-Preis. Auch ich hatte
als Kind ein Meerschweinchen. Und ich erinnere mich deutlich an die tiefe
Trauer, die ich empfand, als es starb. Wenn Kinder mit dem Tod eines geliebten
Haustieres konfrontiert werden, kann ein solches Buch helfen. Ein Buch, das
anrührt, tröstet und die Angst nimmt. Anna-Clara Tidholm und Ulf Nilsson
schaffen es mit "Adieu, Herr Muffin", uns einen Moment innehalten zu lassen, um
mit Kindern über Leben und Tod nachzudenken.
© 2000 - 2011
Text und Bilder: Dr.
Kristine Hucke, Wiesbaden