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Blaualgengefahr

Blaualgen - tödliche Gefahr für den Hund durch Cyanobakterien Foto: © Sergii Figurnyi - fotolia.com

Foto: © Sergii Figurnyi - fotolia.com

 

Blaualgen, wissenschaftlich auch unter dem Namen Cyanobakterien bekannt, sind einzellige oder fadenförmige Bakterien, die auch in unseren Gewässern auftreten und giftige Stoffe (Toxine) enthalten.

Ein starker Befall von Tümpeln, Teichen oder anderen Gewässern ist an der ausgeprägten Trübung und starken Grünfärbung des Wassers erkennbar. Die Sichttiefe im Wasser von weniger als einem Meter und in manchen Fällen auch eine Schlierenbildung an der Wasseroberfläche (sog. Wasserblüten) sind weitere Anzeichen von einem starken Befall mit Blaualgen. Aber auch die schon angetrockneten grünen oder blau-schwarzen Beläge auf Steinen am Uferbereich können die gefährlichen Cyanobakterien enthalten und beim Ablecken und Kauen aufgenommen werden!

Die Gefahr für Hunde und auch andere Tiere besteht in der Aufnahme der giftigen Bestandteile der Blaualgen

  • Durch Aufnahme verseuchten Wassers
  • Kauen von angeschwemmten Blaualgenteilen
  • Benagen von Algenmatten an der Uferböschung können zum Teil tödliche Vergiftungen auftreten.


Symptome bei der Blaualgenvergiftung:

    zunächst unspezifische Symptome
  • Speicheln
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • dann aber lebendsbedrohliche wie
  • Atemnot
  • Zuckungen, Krämpfe
  • Bewusstseinsverlust, Seitenlage
  • oft auch Fieber


Für diese Symptome sind die in den Blaualgen enthaltenen Toxine, besonders das Anatoxin A, verantwortlich, die zu Krämpfen und letztendlich Atemlähmung führen

Sofortmassnahmen

  • Bereits bei Verdacht einer solchen Vergiftung: Aktivkohle eingeben:
    Carbo medicinalis, 1-5 g/kg Körpergewicht, in Wasser aufschwemmen und als 10% Suspension (1 g/10 ml) p.o. eingeben,
    Welches Medikament? Wieviel?

    Quelle: Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Winterthurerstrasse 260, 8057 Zürich, Schweiz
  • Tierklinik aufsuchen, Verdacht äussern, schnelle Hilfe ist besonders bei zentralen Krankheitssymptomen wichtig, Therapie dann stationär mit Atropinsulfat i.v.

Vorweg noch der Hinweis:
Aktivkohle ist ein sehr hilfreiches Absorbens bei Beschwerden des Magen-Darm-Traktes, es sollte aber nicht als Allerheilmittel bei jeglicher Form von Magen-Darm-Beschwerden oder Vergiftungen eingesetzt werden!
Es gibt einige wenige Stoffe, die nicht von Aktivkohle adsorbiert werden, nämlich Alkohole, Cyanide, Nitrit, Laugen und Säuren.
Die 2-3 Kohlekompretten, die gerne mal bei Durchfall vom Tierbesitzer eingesetzt werden, sind nicht problematisch, die hier bei einer Blaualgenvergiftung benötigten Mengen sollten aber nur bei einem realen Vergiftungsverdacht eingesetzt werden. Aktivkohle in höheren Dosierungen kann auch Erbrechen und Durchfall auslösen, der schwarz gefärbte Kot kann weitere wichtige Symptome zur Diagnostik einer Krankheit, wie zum Beispiel blutigen Kot, verschleiern!

Welches Kohlepräparat, Wieviel?

Bei dieser Form der Vergiftung werden sehr hohe Mengen Medizinalkohle benötigt!

1-5g Aktivkohle pro kg Körpergewicht, also 10 - 50 g für einen 10 kg Hund!

Viele Kohlekompretten enthalten 250mg Medizinische Kohle (Carbo medicinalis), dann enthalten 4 Tabletten zusammen 1 g Medizinalkohle!
das wäre die niedrigste Dosierung für einen 1 kg Hund,
bei 10kg Hund dann schon 40 - 200 Tabletten, upps.

Hier hilft die Verwendung einer Suspension, zum Beispiel Ultracarbon von Merck, die mit Wasser schnell herzustellende Suspension enthält dann 50g Medizinalkohle in 400ml Suspension.
Für die oben erwähnte 10%ige Suspension würden weitere 100ml Wasser eingemischt werden, dann erhält man eine 10% ige Suspension = 50g Aktivkohle in 500ml Wasser. Das enspricht dann 200 Kohlekompretten, klingt schon besser.
Diese gesamte Suspensionsmenge reicht dann für einen 10kg-Hund (bei einer Dosierung von 5mg/kg) - 50kg- Hund (bei einer Dosierung von 1mg/kg) und diese 500ml müssen dann noch in den Hund hinein, der wird es nicht freiwillig trinken!

Besser als all die lebensrettenden Therapien ist natürlich eine Vorsorge:

Lassen Sie Ihren Hund im Sommer nicht in stehenden Gewässern mit grünlich-trüben Wasser schwimmen oder trinken, vermeiden Sie das er die algenbewachsenen Steine ableckt und ja, auch das algenbewachsene Stöcken sollte nicht zerkaut werden!

Im Jahr 2013 starb ein 2,5 jähriger Mischling knapp 24 Stunden nach einem Ausflug an einen Boddengewässer auf Rügen, wo er auf getrockneten "Algenmatten" herumkaute und auch Boddenwasser getrunken hat. Die pathologische Untersuchung ergab einen hohen Toxingehalt an Blaualgen.

Deshalb:
Halten Sie Ihre Hunde vom Trinken aus Gewässern mit deutlich grüner Verfärbung, Schlieren oder Blüten an der Oberfläche und vom Fressen von Algenmaterial am Ufer ab !

© Text : Dr. Kristine Hucke, Wiesbaden ; Foto: © Sergii Figurnyi - fotolia.com