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Phytotherapie

Die Bedeutung der Pflanzen für die Gesundheit

Pflanzen produzieren nicht nur lebensnotwendigen Sauerstoff, sie sind auch Nahrungsgrundlage und Heilmittel für Mensch und Tier. Den Menschen früherer Zeiten war der Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit bewusst. Alte Spruchweisheiten wie „Ein guter Koch spart den Arzt“ belegen dies. Viele natürliche Inhaltsstoffe von Pflanzen sind für Mensch und Tier lebensnotwendig. So enthalten Gewürzpflanzen nicht nur geschmackverbessernde Aromen, sondern sie unterstützen wichtige Verdauungsfunktionen und aktivieren die Selbstheilungskräfte.

Was versteht man unter Phytotherapie?

Unter Phytotherapie versteht man das Lindern von Beschwerden und Heilen von Erkrankungen durch Zubereitungen aus ganzen Pflanzen und Pflanzenteilen wie Blättern, Blüten, Früchten, Wurzeln und Rinden. Phytotherapie ist weltweit in allen Kulturen seit Jahrtausenden bekannt und gilt als älteste Therapieform überhaupt.

Wie wirkt die Phytotherapie?

Pflanzen wirken über besondere Inhaltsstoffe, die sie als ortsgebundene Wesen im Laufe der Evolution zu ihrer Verteidigung entwickelt haben, das heißt, um sich vor Fraßfeinden, Bakterien, Viren und Pilzen oder starker Sonnen-einstrahlung oder Konkurrenten zu schützen. Manche dieser chemischen „Kampfstoffe“ sind schon in geringer Dosis tödlich giftig, so etwa die Alkaloide aus dem Eisenhut. Pflanzen mit derart starken Giftstoffen (Giftpflanzen) sind für die Phytotherapie ungeeignet.
Zur Phytotherapie nutzt man weitgehend ungiftige, aber den Organismus in vieler Hinsicht anregende Pflanzen (Heil-, Arzneipflanzen). Dabei macht man sich zunutze, dass Mensch und Tier Fähigkeiten entwickelt haben, die sie vor Schäden durch die Abwehrstoffe in ihrer pflanzlichen Nahrung schützen. Diese aufgenommenen Stoffe werden im Organismus verdünnt und so schnell wie möglich ausgeschieden, zum Beispiel durch vermehrte Produktion von Verdauungssäften und Beschleunigung der Verdauung bis hin zum Durchfall, durch vermehrte Harnbildung, durch Schwitzen, über die Produktion von Nasensekret, gesteigerten Tränenfluss etc. All diese Ausscheidungs-mechanismen werden durch verbesserte Durchblutung und gesteigerten Stoffwechsel ermöglicht. Man kann diese körperlichen Abwehrreaktionen als Gesundungsreaktionen bezeichnen. Die Provokation dieser Gesundungs-reaktionen ist ein wichtiges Therapieprinzip bei der Phytotherapie. Besonders wertvoll zur Krankheitsprävention und Therapie ist zudem die Aktivierung des Immunsystems, wie sie durch Heilpflanzen wie zum Beispiel Sonnenhut und Knoblauch möglich ist.

Neben den eher indirekten Wirkungen der Pflanzen auf den Organismus gibt es aber auch direkte Wirkungen. So enthalten manche Heilpflanzen Stoffe, die gegen Bakterien, Viren oder Pilze wirksam sind. Hierzu gehören zum Beispiel Thymian, Oregano und Salbei, die man traditionell als Gewürze für Wurst nutzt, auch um diese vor bakteriellem Verderb zu schützen. Und der in Asien beheimatete einjährige Beifuß ist sogar in der Lage, den Malaria-Erreger abzutöten.

Von großer Bedeutung sind auch Pflanzenstoffe, die Körperzellen vor Sauerstoffradikalen schützen. Besonders der Schutz und die Unterstützung der Leber – der Entgiftungszentrale des Körpers – durch Mariendistel, Artischocke, Gelbwurz u.a. ist hier hervorzuheben. Ein Extrakt aus Mariendistelsamen ist zurzeit das einzige Mittel, das eine erfolgreiche Behandlung der ansonsten meist tödlichen Knollenblätterpilzvergiftung ermöglicht. Dieser Extrakt wirken auch gegen das Hepatitis C Virus des Menschen. Pflanzenschleime, zum Beispiel aus Eibisch, Isländisch Moos oder Süßholzwurzel schützen Magenschleimhaut und gereizte Atemwege. Gerbstoffe, etwa aus Zaubernuss, Eichenrinde und Blutwurz, dichten eine entzündete Darmschleimhaut gegen den Durchtritt von Krankheitserregern und Schadstoffen ab.

Wann kann Phytotherapie helfen?

Voraussetzung für den Erfolg der Phytotherapie ist, dass die körpereigenen Regulationsvorgänge noch aktiviert werden können. Das prädestiniert die Phytotherapie insbesondere zur Gesunderhaltung (Prävention von Erkrankungen) und zur Therapie von leichteren Befindensstörungen. Es sind vor allem gestörte komplexe Funktionen, die sich mit Phytotherapie wieder normalisieren lassen, beispielsweise eine gestörte Verdauung: Bitterstoffe in Pflanzen wie Schafgarbe, Enzian oder Wermut können die kaskadenförmig aufgebaute Verdauung von der Anregung der Speichelproduktion über die Magensaft- und Galleproduktion bis hin zur Ausschüttung des Bauchspeicheldrüsensekretes anregen.

Ätherische Öle aus Pfefferminze und Thymian nehmen ebenfalls positiven Einfluss auf die Verdauung. Sie lösen Krämpfe, unterstützen die für eine gesunde Verdauung notwenigen rhythmischen Kontraktionen des Darmes und treiben Blähungen aus. Zusätzlich wirken sie krampflösend auf die Atemwege. Thymian kann zudem in den Atemwegen zähe Sekrete, die den Bakterien als Nährboden dienen, verflüssigen und dadurch das Abhusten erleichtern. Außerdem wirkt er noch direkt gegen Bakterien und Viren.

 

Katzen fehlt ein wichtiger Entgiftungsmechanismus in der Leber, der zum Beispiel für die Ausscheidung ätherischer Öle, aber auch anderer Pflanzeninhaltsstoffe unabdingbar ist.
 
Deshalb kann man Katzen mit ätherischen Ölen und anderen Phytotherapeutika schwerwiegend bis tödlich vergiften!

 

Dauer einer Behandlung

Viele Phytotherapeutika eignen sich aufgrund ihrer Nebenwirkungsarmut ganz besonders zur Langzeit- und Dauertherapie, wie sie etwa bei Herzinsuffizienz oder schmerzhaften Arthrosen notwendig werden kann. Vielfach erreichen sie ihre optimale Wirksamkeit erst nachdem man sie mehrere Wochen regelmäßig eingesetzt hat, da eben nicht hauptsächlich Symptome unterdrückt, sondern die Selbstheilungskräfte des Körpers angeregt werden und erst nach und nach die Gesundheit wieder hergestellt wird. Man braucht also Geduld und Konsequenz, um mit Phytotherapie zum Ziel zu kommen – je länger eine Störung besteht, umso mehr. Belohnt wird man für Geduld und Konsequenz bei der Phytotherapie mit einer dem breiten Wirkspektrum der Pflanzen entsprechenden umfassenden Besserung.

Was ist bei der Phytotherapie sonst noch zu beachten?

Selbst Wildtiere sind in der Lage, gezielt Pflanzen zu finden, die ihnen bei Befindlichkeitsstörungen und Erkrankungen Linderung und Heilung bringen. Auch bei unseren Haustieren können wir derartige Verhaltensweisen beobachten. Heilpflanzen eignen sich durchaus zur Selbstmedikation leichter Beschwerden. Doch sie sind nicht per se harmlos und ohne Nebenwirkungen. Nicht sachgerecht angewendet, können Heilpflanzen/Phytotherapeutika schaden. Schaden kann auch dadurch entstehen, dass Sie als Laie aus den für Sie erkennbaren Symptomen bei Ihrem Tier nicht die richtigen Schlüsse ziehen, das heißt die Diagnose nicht stimmt. Wenn unter Selbstmedikation nicht innerhalb weniger Tage eine Besserung eintritt oder die Krankheitserscheinungen unter der Verabreichung eines pflanzlichen Arzneimittels gar noch schlimmer werden, ist dringend ein Tierarzt zu Rate zu ziehen. Auch sollte man bestehende Medikationen nicht ohne Rücksprache mit einem Tierarzt zugunsten eines pflanzlichen Heilmittels absetzen.

Ein besonderes Problem ist die Selbstmedikation mit humanmedizinischen Fertigarzneimitteln aus Heilpflanzen, denn die Dosierungen für Menschen können für Tiere oft nicht übernommen werden. Leider gibt es in der Tiermedizin im Gegensatz zur Humanmedizin kaum pflanzliche Arzneimittel, die vom Hersteller mit genauen Angaben zu Dosierung und möglichen Nebenwirkungen usw. versehen werden und damit für die Selbstmedikation einsetzbar sind. Stattdessen werden unzählige Ergänzungsfuttermittel mit Heilpflanzen als Inhaltsstoffen angeboten, für deren behördliche Zulassung aber kein Wirksamkeitsnachweis vorliegen muss.

Auch finden sich keine Angaben darüber, wie viel von einer bestimmten Heilpflanze im Ergänzungsfuttermittel enthalten ist. Ein Laie kann die Qualität solcher Ergänzungsfuttermittel sicher nicht beurteilen, und selbst für den ausgebildeten Phytotherapeuten ist eine Beurteilung oft nicht möglich. Bei der Auswahl eines Phytotherapeutikums sollte man also den Sachverstand und die Beratung eines gut ausgebildeten Tierarztes nutzen, der auch beurteilen kann, ob das gewählte Mittel für die jeweilige Tierart geeignet ist. Hier sind durchaus Unterschiede in der Verträglichkeit zu beachten.

 

Wann wirkt welches Kraut?
 
Goldrutenkraut, Wacholderbeeren, Petersilienwurzel und Liebstöckel steigern die Durchblutung in den Nieren, wodurch vermehrt Harn gebildet wird. Das hilft bei Steinleiden in Niere und Blase sowie bei bakteriellen Entzündungen im Harntrakt.
Die Stoffwechsel anregende und „blutreinigende“ Wirkung von Brennnesseln, Birkenblättern und Ackerschachtelhalm unterstützt die Therapie von Ablagerungskrankheiten wie Rheuma, Gicht (beim Menschen) und Arthrosen.
Weidenrinde, Weihrauch, Teufelskralle, Brennnesseln und Hagebutten wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Sie können bei der Therapie von Arthrosen, die mit vielen Nebenwirkungen behafteten synthetischen Schmerzmittel teilweise ersetzen oder deren Dosis reduzieren helfen.
Ginkgoblattextrakte fangen schädliche Radikale und verbessern die Blutfließeigenschaften und damit die Durchblutung des gesamten Körpers, besonders des Gehirnes. Deshalb ist Ginkgo ein wichtiges Medikament bei der Behandlung von Demenzen bei Mensch und Tier.
Weißdornextrakte verbessern die Durchblutung des Herzmuskels, optimieren dessen Arbeit und schützen das Blutgefäßsystem.
Baldrian, Lavendel, Melisse und Johanniskraut sind bestens verträgliche pflanzliche Medikamente bei psychischen Belastungen und lindern Angst, Stress, Aggression sowie nervöse Herz- und Magen-Darmstörungen.

 

Dr. med. vet. Cäcilia Brendieck-Worm,
Zusatzbezeichnung
Biologische Tiermedizin

Text und Copyright: Informationsbroschüre der GGTM e. V. für Tierhalter - Naturheilkundliche Therapieverfahren Ausgabe August 2014 , Seite: 23-26 www.ggtm.de
Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin e.V. (GGTM)
Die Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin e.V. (GGTM) wurde 1984, also bereits vor 30 Jahren, von naturheilkundlich tätigen Tierärzten gegründet. Es gab damals nur wenige Tierärzte, die mit Akupunktur oder Homöopathie arbeiteten, und die GGTM hatte sich das Ziel gesetzt, den kollegialen Austausch und die Ausbildung von Tierärzten in Naturheilverfahren zu fördern.

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