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Organotherapie

Die therapeutische Verwendung tierischer Organe zieht sich durch die ganze Menschheitsgeschichte. So verzehrten in früheren Kulturen Jäger die Organe ihrer Beutetiere, um sich die Eigenschaften dieser Tiere anzueignen.

Bereits um 1500 postulierte der Arzt und Philosoph Paracelsus:

Herz heilt Herz, Niere heilt Niere“.

Mit einem gesunden Organ eines Tieres soll demnach also ein krankes Organ eines Menschen geheilt werden. Die Entstehung der heutigen Organotherapie ist auf Rudolf Steiner zurückzuführen, der in den 1920er Jahren den Anstoß gab, homöopathisch potenzierte gesunde Organe höherer Tiere in der Humantherapie einzusetzen. Bereits 1929 wurden solche potenzierten Organpräparate
auch bei Tieren eingesetzt.

Was versteht man unter Organotherapie?

In der Organotherapie werden nach speziellen Verfahren aufbereitete oder nach den Vorschriften der Homöopathie potenzierte Organpräparate von Rindern oder Schweinen als Fertigarzneimittel zur Therapie eingesetzt. Solche Zubereitungen aus Organen gesunder Tiere enthalten alle Gewebebestandteile des jeweiligen Organs. Man geht davon aus, dass sie auch die Information enthalten, wie gesunde Organe richtig funktionieren.

Organe oder Organsysteme, die ihre Funktion nicht mehr richtig erfüllen, sei es aufgrund altersbedingter Degeneration oder einer Schädigung durch andere Ursachen, etwa Verletzung, Vergiftung, Fehlernährung oder Überlastung, können durch Verabreichung organotherapeutischer Präparate zur Regeneration angeregt werden. Dies geschieht nach dem oben bereits genannten, von Paracelsus festgestellten Prinzip, dass die gleichen Organe eines Organismus die gleichen eines anderen heilen.

Dabei handelt es sich um eine schonende, nebenwirkungsarme Therapieform.

Wie wirkt Organotherapie?

Sind Organe oder Gewebe geschwächt oder geschädigt, erhalten sie durch die Verabreichung des entsprechenden Organpräparates eine Unterstützung in der Regeneration. Die angewendeten Präparate reichern sich in ihren Zielorganen spezifisch an: Auge findet zu Auge, Leber findet zu Leber.
Dies wurde in mehreren Studien nachgewiesen.

Ziel der Anwendung ist also vorwiegend die Wiederherstellung von Organen oder Organfunktionen durch Anregung von Stoffwechsel-vorgängen im Zielorgan.

Diesen Effekt der Anreicherung im Zielorgan nutzt man, um zusätzlich für die Behandlung der Erkrankung geeignete Homöopathika in das erkrankte Organ zu schleusen, und zwar indem man sie mit den Organpräparaten kombiniert. Diese Homöopathika können dann zusammen mit den Organbestandteilen regenerierend auf geschädigte Organ- oder Gewebestrukturen wirken.

Tierhalter können die Wirkung einer organtherapeutischen Behandlung Ihres Tieres häufig gut beobachten.
Hunde etwa, die wegen Arthrosen organotherapeutisch behandelt werden, zeigen manchmal nach den ersten Behandlungen eine kurzzeitige Verschlimmerung der Beschwerden, beispielsweise verstärkte Lahmheit. Dies deutet darauf hin, dass im geschädigten Gelenk Umbauprozesse in Gang gesetzt werden. Dabei können kurzzeitig Schmerzen oder Spannungsgefühle mit Lahmheit auftreten. In der Regel stabilisiert sich der Zustand aber schon nach wenigen weiteren Behandlungen.

Wann kann Organotherapie helfen?

Solange Organe nicht vollständig zerstört sind, kann die Organotherapie helfen.
Auch wenn bei altersbedingtem Verschleiß eine vollständige Heilung oft nicht mehr  möglich ist, so kann eine Besserung der Lebensqualität erreicht werden.

Bei Arthrosen können die Gelenksfunktionen verbessert werden. Die Tiere laufen wieder besser, bei Rückenbeschwerden wie Spondylosen, Bandscheiben-erkrankungen oder Lähmungen verbessern sich die Beschwerden häufig bereits nach wenigen Behandlungen. Der Einsatz von entzündungs- und schmerz-hemmenden schulmedizinischen Mitteln kann stark reduziert werden oder ist in vielen Fällen nicht mehr notwendig. Leber- und Nierenerkrankungen sprechen sehr gut auf die Organotherapie an. Gerade bei diesen Erkrankungen hat die Schulmedizin nur begrenzt Therapieverfahren anzubieten.
Chronische Atemwegserkrankungen – insbesondere bei Pferden – lassen sich mit der Organotherapie günstig beeinflussen und erleichtern den Tieren das Leben.

Degenerative Augenerkrankungen, insbesondere der Hornhaut und der Lidbindehäute, reagieren auf die entsprechenden Präparate mit sichtbarer Besserung. Alle im Alter nachlassenden Organfunktionen können durch den die Organregeneration anregenden Effekt der Therapie stabilisiert werden. Tiere wirken nach einer Behandlung häufig wieder um Jahre jünger. Und nicht zuletzt in der Tumorbehandlung ist die Organotherapie ein wichtiger Teil eines ganzheitlichen Therapiekonzeptes, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Dauer einer Behandlung mit Organotherapie

Da die Organtherapie meistens bei chronischen Erkrankungen eingesetzt wird, sind in der Regel Behandlungen mit einer Dauer von mehreren Wochen notwendig.
Zu Beginn der Therapie werden Injektionen jeden zweiten oder dritten Tag durchgeführt. Nach den ersten vier bis fünf Injektionen sollte bereits eine Verbesserung der Beschwerden eingetreten sein.
Je nach Ansprechen des Patienten auf die Therapie werden die Abstände zwischen den einzelnen Injektionen nach und nach weiter vergrößert. Kuren können in bestimmten Abständen wiederholt werden, um Regenerationsprozesse aufzufrischen.

Was es sonst noch zu beachten gibt bei der Organotherapie

Nebenwirkungen im Sinne von Organschäden sind in der Organotherapie nicht bekannt. Allerdings muss man mit der sogenannten „Homöopathischen Erstverschlimmerung“ rechnen. Das bedeutet, dass sich die Beschwerden des Patienten zu Beginn der Therapie für kurze Zeit verschlechtern, dass diese zusätzlichen Beschwerden dann aber wieder verschwinden.


Tierarzt Jörg-Karsten Bauch,
Zusatzbezeichnung
Biologische Tiermedizin

Dr. med. vet. Heidi Kübler,
Zusatzbezeichnung
Biologische Tiermedizin

 

Text und Copyright:
Informationsbroschüre der GGTM e. V. für Tierhalter - Naturheilkundliche Therapieverfahren
Ausgabe August 2014 , Seite: 30-32     www.ggtm.de
Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin e.V. (GGTM)
Die Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin e.V. (GGTM) wurde 1984, also bereits vor 30 Jahren, von naturheilkundlich tätigen Tierärzten gegründet. Es gab damals nur wenige Tierärzte, die mit Akupunktur oder Homöopathie arbeiteten, und die GGTM hatte sich das Ziel gesetzt, den kollegialen Austausch und die Ausbildung von Tierärzten in Naturheilverfahren zu fördern.

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