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Die Ethologie der Katze und Schlussfolgerungen für die Haltung

Herkunft und Lebensweise der Katze

Im Gegensatz zum Hund, der vom Menschen gezielt aus dem Wolf als Haustier herausgezüchtet wurde, schlossen sich Katzen dem Menschen an und lebten mit ihm zusammen, ohne dass der Mensch züchterischen Einfluss nahm. Diese einzigartige Entwicklung wird als Selbstdomestikation bezeichnet.

Zuchtauswahlkriterien durch den Menschen gab es nur vereinzelt. Im Großen und Ganzen blieb die genetische Ausrichtung der Katze noch sehr ursprünglich. Gezielte weltweite Züchtungen gab es erst ab etwa 1850, wobei rein äußerliche Merkmale im Vordergrund standen. Katzen sind daher noch sehr ursprüngliche Tiere. Dieser Fakt spiegelt sich in ihren Haltungsansprüchen auch wieder.

Katzen leben normalerweise solitär. Sie jagen und erlegen ihre Beute alleine und Kätzinnen ziehen ihre Jungen alleine groß. Beide Geschlechter kontrollieren ein Revier, welches sie markieren und gegen Eindringlinge verteidigen.

Kätzinnen beanspruchen etwa 0,5 ha und Kater etwa 1,5-2 ha, das Katerrevier ist im Durchschnitt etwa 3,5-mal so groß als das einer Kätzin. Je nach Nahrungs- und Sexualpartnerangebot können die Reviere aber auch viel größer sein. Kleiner sind sie z. B. in städtischen Gebieten oder bei dichter Besiedelung. Auch eine Überlappung der Reviere in bestimmten Bereichen kommt vor. Andere Katzen werden normalerweise vom Revierinhaber vertrieben. Möglich ist aber auch die Nutzung des gleichen Reviers zu unterschiedlichen Zeiten, wobei die Katzen versuchen, sich aus dem Weg zu gehen. Die Kätzin duldet während ihrer Rolligkeit einen Kater in ihrem Revier, den sie sonst ebenfalls verjagen würde.

Neben der für Katzen üblichen solitären Lebensweise gibt es aber auch das Zusammenleben von Katzengruppen bei größerem Nahrungsangebot, z.B. auf einem Bauernhof. In der Regel handelt es sich dabei um miteinander verwandte Kätzinnen und juvenile Kater. Fremde Artgenossen werden massiv vertrieben.

Ein lockeres Treffen am Futterplatz bei größerem Nahrungsangebot ist kein Zusammenleben, sondern ein kurzzeitiges Tolerieren. Nach dem Fressen geht jede Katze ihres Weges. Beobachtet werden konnten aber auch sogenannte „Bruderschaften“ geschlechtsreifer Kater, die als Gruppe zusammen lebten.

Das Sozialverhalten der Katze kann sehr unterschiedlich sein und reicht von solitär bis gesellig. Es wird angepasst an die jeweiligen Lebensbedingungen und hängt von Genetik, Vorerfahrungen und den jeweils vorhandenen Nahrungsquellen ab. Einige Katzen sind in der Lage sich gut anzupassen, andere können das sehr schlecht. Somit hat jede Katze individuelle Ansprüche, die beachtet werden müssen.

Haltungsansprüche

Da Katzen genetisch noch sehr ursprünglich sind, haben sie Ansprüche entsprechend ihres ursprünglichen Biotops. Sie bevorzugen Futter und Wasser an verschiedenen Orten, da sie ihre Beutetiere normalerweise nicht neben einem Wasserreservoir verzehren.

Katzen benutzen im Freien verschiedene Orte für Kot- und Urinabsatz. Im Haus benötigen sie daher auch mindestens zwei Toiletten. Bei mehreren Katzen rechnet man Anzahl der Katzen plus eins.

Katzengruppen können teilen, Einzelgänger bevorzugen Ressourcen, die nur für sie zugänglich sind. Somit sollte ein Mehrkatzenhaushalt über mindestens zwei Katzentoiletten und über mindestens einen Wasser- und Futterplatz pro Gruppe verfügen.
Jede Katze benötigt einen eigenen Rückzugsplatz, den sie gegen andere Katzen gut verteidigen kann. Katzen einer Gruppe nutzen Liegeplätze aber auch gerne gemeinsam.
Neben den Grundressourcen Futter, Wasser, Toilette und Rückzugsort benötigen Katzen aber auch Beschäftigungsmöglichkeiten. Frei laufende Katzen sind mit Beutejagd und Revierüberwachung ausreichend beschäftigt. Muss die Katze im Haus bleiben, ist für alternative Tätigkeiten und vor allem auch öfter für etwas Neues zu sorgen. Für manche Katzen ist ein Artgenosse Beschäftigung, für viele aber eher nicht. Das Spring-, Kletter-, und Lauerverhalten der Katze sollte angeregt werden.

Folgen schlechter Haltung

Wird eine Katze unter suboptimalen Bedingungen gehalten, so empfindet sie Stress. Viele Stressfaktoren kann eine Katze unter Umständen auch längere Zeit ertragen. Wird die Belastung zu hoch, führt der massive Dauerstress zur Belastung des Immunsystems und damit zu erhöhter Anfälligkeit gegenüber Erkrankungen bis hin zum frühen Tod. Neben dieser, für alle unter massivem Stress leidenden Tiere gültigen Entwicklung gibt es bei der Katze eine besondere Sensibilität der Blase.

Je nach Genetik und Entwicklung führt Dauerstress bei einigen Katzen zu einer Modifikation bestimmter Gehirnvorgänge. Dadurch verändert sich die adrenokortikale Reaktion und als Folge davon wird das Blasenepithel verändert.
Es entsteht eine neurogene Entzündung: Feline Idiopathische Cystitis.

Ein Hinweis auf suboptimale Haltung, jeweils bezogen auf eine spezielle Katze, ist vor allem das Markieren mit Urin an Stellen im Haus, die normalerweise so nicht markiert werden. Es gibt aber auch Katzen, die extrem aggressiv in speziellen Stresssituationen reagieren.
Weniger auffällig sind Katzen, die sich sehr zurückziehen oder extrem viel fressen.
Auch eigenartige Verhaltensweisen wie Kahllecken oder Schwanzknabbern können einen Versuch darstellen, extremem Stress zu reduzieren.
Ständige wechselnde Erkrankungen, vor allem Blaseninfektionen, können ein Hinweis auf massiven Stress sein, der, von der Katze nicht mehr toleriert werden kann.

Problembereiche in der Katzenhaltung

Es ist darauf zu achten, dass jede Katze über eine geeignete Rückzugs-möglichkeit verfügt, die sie beanspruchen und auch verteidigen kann. Katzengruppen können gemeinsame Rückzugsplätze benutzen.

Die Anzahl der Katzentoiletten sollte Anzahl der Katzen plus eins betragen, Katzengruppen benutzen die Toiletten auch gemeinsam.
Es müssen ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten vorhanden sein, die auch abwechslungsreich sind und den Bedürfnissen der jeweiligen Katze angepasst sein müssen.
Bei der Versorgung frei laufender Katzen muss dafür gesorgt sein, dass das Futter im Sommer nicht schlecht wird durch zu langes Stehen und im Winter weder Futter noch Wasser einfrieren.

Bei Katzenzuchten sollte der Deckkater besondere Beachtung finden. Er kann nicht in der Gruppe der Zuchtkätzinnen gehalten werden, da sonst eine unkontrollierte Bedeckung erfolgen könnte und sein Urin stark riecht. Somit hat er unter Umständen eine Unterbringungsform, die seinen Bedürfnissen nicht gerecht wird.
Für Katzenpensionen empfiehlt sich die Verwendung eines Fragebogens, der vor Aufnahme eines Tieres dessen Besonderheiten klärt und Stressfaktoren reduzieren kann.

Aus: TVT-Mitgliederzeitung  2/2011 
(TVT = Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz)

Adresse der Verfasserin und © dieses Artikels:
Dr. Heidi Bernauer-Münz, 35578 Wetzlar
www.muenz-wz.de
Bernauer@muenz-wz.de

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