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Geriatrie
Die chronische Niereninsuffizienz (2)

Die Rolle von Phosphat

Verschlimmert wird dieser Prozess noch von einer gestörten Phosphatausscheidung der kranken Niere. Phosphat wird mit der Nahrung aufgenommen und im Organismus für unzählige Funktionen gebraucht, z. B. den Aufbau der Erbinformation und der Knochenhartsubstanz oder die Arbeit von Verdauungsfermenten und anderen Enzymen.
Nicht benötigtes Phosphat wird beim gesunden Tier über die Nieren ausgeschieden.

Ist die Phosphatausscheidung jedoch aufgrund der Erkrankung der Nieren gestört, sammeln sich Phosphate im Organismus an. Es kommt zu einem Phosphatüberschuss in Kombination mit einem Kalziummangel. Diese Störung des Mineralstoffhaushaltes hat einen sekundären Hyperparathyreoidismus zur Folge. Dabei handelt es sich um eine übermäßige Bildung und Ausschüttung eines Hormons der Nebenschilddrüse (Parathyreoidea), dem Parathormon (PTH).
Die erhöhten Mengen an Parathormon führen über einige komplizierte Zwischenschritte letztlich zu einer Entkalkung der Knochen und einer Verkalkung der Nieren, die das Absterben des Gewebes noch beschleunigt.

Folgen und Symptome der CNI

Wenn die Nieren geschädigt sind, kommt es zu mannigfaltigen Störungen im Gesamtorganismus. Hierzu zählen:

  • Großer Durst (Polydipsie)/vermehrte Harnbildung (Polyurie)
  • Appetitlosigkeit und Abmagerung
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Krankheitsanfälligkeit, häufige Infektionen
  • Verdauungsstörungen mit Erbrechen und Durchfall
  • Entzündungen der Schleimhäute (Mund, Magen, Harnwege)
  • Bluthochdruck
  • Gefahr der Austrocknung
Erkennung der Krankheit

Die Nieren können den Verlust von Gewebe sehr lange ausgleichen, daher muss man davon ausgehen, dass Symptome erst auftreten, wenn bereits 60 bis 70 Prozent des Nierengewebes zerstört sind. Darüber hinaus entwickeln sich die Symptome häufig so langsam, dass sie nicht auffallen und/oder dem Alter des Tieres zugeschrieben werden. Zu den ersten Symptomen gehören vermehrte Wasseraufnahme (Polydipsie), große Harnmengen (Polyurie), eine Abnahme der Aktivität, erhöhtes Schlafbedürfnis, wechselnder Appetit, Erbrechen und Gewichtsverlust.

Bevor es zu diesen klinischen Symptomen kommt, verändern sich jedoch die Harn- und Blutwerte der Tiere. Der Harn von Nierenkranken ist „verdünnt“. Er enthält weniger Salze und andere Stoffe als normaler Harn. Dies ist allerdings mit bloßem Auge nicht erkennbar, sondern muss anhand des Spezifischen Gewichts (SG) abgelesen werden.
Das Spezifische Gewicht des Harns unterliegt auch beim gesunden Tier großen Schwankungen. Als normal werden Werte von über 1035 bei der Katze und über 1030 beim Hund betrachtet. Sinkt das SG bei einer Katze unter eine Marke von 1035 und bei einem Hund unter 1030, besteht der Verdacht, dass das Tier krank ist.

Im Blut sind die Gehalte an Harnstoff und Kreatinin erhöht. Diese Werte werden übrigens auch bei routinemäßigen Seniorchecks für Haustiere überprüft und können zur Früherkennung der Krankheit dienen. Diese Seniorchecks in regelmäßigen Abständen sind daher sehr zu empfehlen.

Um eventuell doch eine Ursache der CNI herauszufinden und um möglichst alle Begleiterkrankungen festzustellen, wird der Tierarzt oder die Tierärztin beim Verdacht auf eine CNI umfangreiche Untersuchung durchführen und veranlassen. Hierzu gehören beispielsweise weitere Harn- und Blutuntersuchungen, eventuell ein Nierenfunktionstest, die Feststellung der Glomulären Filtrationsrate (GFR), Röntgen, Ultraschall usw.

Blasenentzündungen und Harnsteine bei Seniorentieren

Ältere Tiere sind besonders anfällig für die Entwicklung von Krankheiten der Harnwege, da ihre Abwehr meist etwas geschwächt ist, sie eventuell bereits unter chronischen Krankheiten leiden, die die Zusammensetzung des Harns verändern (z. B. Zuckerkrankheit) und sie häufig zu wenig trinken bzw. Wasser über das Futter aufnehmen. Auch Bewegungsmangel und Adipositas (starkes Übergewicht), die bei älteren Tieren häufiger vorkommen, begünstigen die Entstehung von Harnwegserkrankungen. Entzündungen der Harnwege und Harnsteinerkrankungen können einzeln, aber auch gemeinsam auftreten. Besonders häufig sind Hündinnen von den Harnwegserkrankungen betroffen.

Beide Erkrankungen verursachen ähnliche Symptome:

  • Häufiger Harndrang
  • Kleine Harnportionen
  • Schmerzen beim Harnabsatz
  • Blut im Urin
  • Stubenunreinheit

„Nicht richtig pinkeln können“ ist bei Hunden und Katzen übrigens immer ein Notfallsymptom, bei dem man sich sofort an die Haustierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst wenden sollte.

In schweren Fällen können Entzündungen der Harnwege zu Allgemeinerkrankungen mit Fieber führen. Je nach Aggressivität der Erreger, Immunstatus des Patienten und dem Vorhandensein von anderen Erkrankungen kann die Therapie der Blasenentzündung unterschiedlich lange dauern. Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus müssen selbstverständlich gleichzeitig konsequent behandelt werden. Blasenentzündungen bei Katzen können psychische Ursachen (z.B. Stress durch Veränderungen in der Wohnung) haben, die erkannt und wenn möglich ausgeschaltet werden müssen.

In unkomplizierten Fällen ist die Blasenentzündung meist schon nach 10 bis 14 Tagen konsequenter Antibiotikagabe
überstanden, bei komplizierterer Sachlage, z. B. bei begleitenden Entzündungen der Prostata beim Hunderüden, muss die Antibiotikagabe zum Teil bis zu sechs Wochen erfolgen. Um Blasenentzündungen dauerhaft vorzubeugen, kann auch die Umstellung auf ein anderes vom Tierarzt oder der Tierärztin empfohlenes Futter erwogen werden. Einige Harnsteinarten kann man auf dem Röntgenbild sehen, andere sind nur mit Hilfe von Ultraschalluntersuchungen zu erkennen. An erster Stelle steht die Entfernung der Steine. Bestimmte Harnsteine (Struvitsteine) können durch eine entsprechende Diät aufgelöst werden. Andere Harnsteine (wie die mittlerweile häufiger auftretenden Kalziumoxalatsteine) können auf diese Weise jedoch nicht aufgelöst werden. Sie müssen ausgespült oder chirurgisch entfernt werden.

Bei Katern kommt es häufig zu einer Verstopfung der Harnröhre durch Harngrieß, der auch ausgespült werden muss. Manchmal sind die Schleimhäute der Harnröhre bereits so geschädigt, dass der Penis des Katers amputiert werden muss.

Nach der Notbehandlung sollte die Ernährung des Tieres umgestellt werden. Es gibt Spezialdiäten, die einer erneuten Harnstein- und Harngrießbildung vorbeugen können. Allerdings müssen diese Diäten auf die Harnsteinart abgestimmt sein. Tatsächlich sind über elf verschiedene Steinarten bekannt, die unterschiedlich behandelt werden müssen.

Sowohl bei Harnsteinen, Harngrieß als auch bei Harnwegsentzündungen gilt: viel trinken hilft! Zusätzliches Wasser im Futter und immer Zugang zu frischem Wasser sind unerlässlich

Text und Fotos:
Mit freundlicher Genehmigung der Schlüterschen Verwaltungsgesellschaft mbH vom 19.12.2014
Quellnennung: Der Praktische Tierarzt 90 (Ausgabe 4/2009) - Sonderheft "Geriatrie" (E-Paper), Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Hannover, (Seite 6 - 13).

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