Praxislogo Tierarztpraxis Dr. Kristine Hucke

 

Facebookseite Facebooklogo

 

 

 

Haltung von Meerschweinchen und Kaninchen - Tierarztpraxis Dr. Kristine Hucke Wiesbaden

Aber sie verstehen sich doch sooooo gut ....

Haltung eines einzelnen Kaninchens mit einem einzelnen Meerschweinchen

Hierzu hat die Zeitschrift RODENTIA einen viel beachteten Artikel veröffentlicht, der Sie vielleicht zum Überdenken dieser Haltungsform anregen könnte:

In vielen Kinderzimmern und Haushalten ist es Gang und Gebe, einem Kaninchen ein Meerschweinchen als „Spielgefährten“ dazuzusetzen, und selbst einige Bücher loben diese Konstellation. Ebenso wird es von diversen Haltern als „die“ Kombination propagiert und seit Jahren praktiziert.

ABER: Nicht alles, was anscheinend jahrelang bei anderen Haltern funktioniert, muss auch wirklich gut sein!

Heutzutage setzt ein Umdenken ein, und muss es auch, wenn man sich bewusst macht, wie verschieden diese Tiere eigentlich sind. Heimtierbesitzer, die Tiere in der Kombination ein Meerschweinchen / ein Kaninchen halten, bringen oft das Argument hervor: „MEINE verstehen sich aber prima, sie kuscheln sogar und betreiben Fellpflege, die lieben den anderen!“

Dass dies aus einer Zweckgemeinschaft und Einsamkeit heraus entstehen MUSS, und sich die Tiere im Grunde genommen gar nichts zu sagen haben, im Gegenteil, trotz augenscheinlicher Eintracht sogar Stress zufügen, möchte ich im Folgenden näher erläutern und begründen.

In der Natur würden sie sich niemals begegnen
sie stammen von unterschiedlichen Kontinenten.

Erst mit den Spaniern gelangten Meerschweinchen von Südamerika auch nach Europa, um zu Heimtieren zu avancieren.

Sie gehören nicht derselben Tiergattung an: Meerschweine sind den Nagetieren, Kaninchen den Hasenartigen zuzuordnen.

Ihre Lebensweisen in freier Wildbahn unterscheiden sich drastisch voneinander:

Im „besten“ Fall hat man nun ein unausgeglichenes Kaninchen daheim, das sich verbiegt, indem es versucht, die für es unnatürlichen und unregelmäßigen Ruhezeiten des Meerschweinchens anzunehmen.

Der ständige Stress, die uninterpretierbaren Laute und für Kaninchenohren schmerzhaften Geräusche, die Aufforderungen zum Spielen in den Ruhephasen aber können bei dem Kaninchen statt zur Resignation auch zur Aggression führen, die dann für das Meerschweinchen sogar lebensbedrohlich werden kann.

Der Grund: Ein Kaninchen ist meist um einiges größer als ein Meerschweinchen, und hat in jedem Fall ausgebildete Sprungmuskulatur.
Wird das Kaninchen nun aggressiv, weil seine Ruhe gestört ist, oder weil es keinen adäquaten Lebenspartner hat, der sein vorhandenes Bedürfnis nach Sexualität erfüllt, kann ein Kaninchen ganz ordentlich zubeißen, was schon vielen Meerschweinchen das Leben oder die Gesundheit gekostet hat.

Das Fachmagazin „RODENTIA“ schreibt in der Nov/Dez 2002-Ausgabe zu dieser Problematik in Bezug auf potentielle Aggressionen eines Kaninchens gegenüber einem Meerschweinchen: „Geht es glimpflicher aus, so leben die Tiere ständig gestresst und einsam nebeneinander, eine Kommunikation zwischen den Arten ist kaum möglich.“

Berammelt ein Kaninchen, unabhängig von dessen Geschlecht, aus Paarungstrieb oder Dominanzverhalten, das Meerschwein sogar, wird es wirklich heikel: Kaninchen packen sehr fest zu, damit der „Partner“ keine Chance zur Flucht hat. Dabei brach so manche Meerschweinchenrippe.
Der Nackenbiss, den Kaninchen ausüben, um den Eisprung der Partnerin auszulösen, kann Meerschweinchen das Genick brechen oder zumindest schwer verletzen.

Das wesentlich kleinere und leichtere Meerschweinchen wird, wenn nicht sofort ernstlich verletzt, zumindest auf lange Sicht gesehen Rückenschäden davontragen.

Weibliche Kaninchen werden im Laufe des Jahres mehrmals scheinträchtig und bauen aus Ihren ausgezupften Körperhaaren ein Nest für den vermeidlichen Nachwuchs. In dieser Zeit reagieren Häsinnen besonders stressanfällig und schützen das Nest vor Eindringlingen, auch gegen das in der Wohngemeinschaft lebende Meerschweinchen, welches wiederum durch Bisse verletzt oder getötet werden kann.

Ein weiterer, weniger augenscheinlicher Grund für die ungünstige Konstellation Meerschweinchen/Kaninchen ist die unterschiedliche Ernährung:
Kaninchen synthetisieren ihr Vitamin C aus der Nahrung selber und müssen daher keines aufnehmen, im Gegenteil: enthält das Futter zuviel Vitamin C, muss dieses aus dem Körper ausgeschieden werden, und löst sich in Wasser, was zu Durchfall führt.
Meerschweinchen hingegen muss eine vitaminreichere Kost geboten werden, um den Bedarf an Vitamin C zu decken.

Begründung durch wissenschaftliche Versuche

Wen die Argumente Verletzungsgefahr, Aggressionen, Verständigungsbarrikade, Lebensweise, Tagesrhythmus, Ernährung noch nicht überzeugen, der wird vielleicht ein Einsehen haben, wenn man die Tiere direkt selber „befragt“, mit wem sie leben möchten.
Neben Erfahrungsberichten, möchte ich auf eine Studie verweisen, auf welche die Zeitschrift „RODENTIA“ in besagter Ausgabe hinweist, die von Wissenschaftlern (HESSE &SACHSER, 1996) zu dem Thema „Ist die Gemeinschaftshaltung von Kaninchen und Meerschweinchen eine zu empfehlende oder zu vermeidende Haltungsform?“ durchgeführt wurde.

Der Versuchsaufbau gestaltete sich wie folgt:
Zwei identisch eingerichtete Käfige wurde durch einen schmalen Tunnel verbunden, der es nur dem in dem Versuch eingesetzten jungen Meerschweinchen erlaubte, von einem Käfig zum anderen zu wechseln.
In den zweiten Käfig setzte man im ersten Versuch ein erwachsenes Meerschweinchen, und bestimmte anhand von Lichtschrankenmessung, wie oft und wie lange das Jungtier den älteren Artgenossen, der ihm bis dato fremd war, besuchte, und als Sozialpartner wählte, und somit einer eigenen Unterkunft vorzog.

Im zweiten Versuch setze man in einen der Käfige statt eines erwachsenen Meerschweinchens ein Zwergkaninchen, und bestimmte erneut die verbrachte Zeit des jungen Meerschweinchens bei dem artfremden Tier.
Hier schwankten die Ergebnisse um den Mittelwert von 40 % verbrachter Zeit beim Kaninchen (sehr unterschiedlich von Meerschweinchen zu Meerschweinchen), im Gegensatz zu 80% Durchschnittszeit eines Meerschweinchens bei seinem älteren Artgenossen, wobei auffällig war, dass die jungen Meerschweinchen allesamt recht viel Zeit bei dem Artgenossen verbrachten, und somit die Ergebnisse konstanter ausfielen.

Bei dieser Versuchsreihe wurden die Tiere auch durch Videoüberwachung auf ihr Sozialverhalten gegenüber dem vorgesetzten Partner untersucht, mit eindeutigen Ergebnissen, die „RODENTIA“ aufführt: „Die Meerschweinchen flohen wesentlich häufiger vor dem Zwergkaninchen als vor dem größeren Meerschweinchen, und das meerschweinchentypische ‚Erstarren‘, eine Schreckreaktion, wurde bei mit Kaninchen vergesellschafteten Meerschweinchen signifikant häufiger festgestellt.“

Eine weitere Beobachtung, die relevant ist:
„Die mit Zwergkaninchen zusammen gehaltenen Meerschweinchen zogen sich in aller Regel zum Ruhen in den Einzelkäfig zurück - wahrscheinlich, weil sie im Gemeinschaftskäfig ständig von Zwergkaninchen aufgrund der unterschiedlichen Tagesrhythmik gestört wurden.“

„Meerschweinchen und Kaninchen sollten niemals alleine gehalten werden, allerdings ist nur ein Artgenosse auch der Sozialpartner, den das Tier braucht!“

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin:
© by Heike Drapatz Quellen: Kleinsäuger-Fachmagazin „RODENTIA“, Ausgabe Nov/Dez ‚02

Zitate entnommen der Artikel:
„Meerschweinchen und Kaninchen“ von Christian Ehrlich,
„Kaninchen und Meerschweinchen-ideale Partner? Eine Geschichte voller Missverständnisse...“ von Iris Küster
„Klarer Wahlausgang: Wissenschaftler befragten Meerschweinchen zum Thema Kaninchen“ von Christian Ehrlich

 

zurück nach oben...

weitere Heimtierthemen:

Welches Heimtier passt zu mir?

Heimtiertabelle

Ernährung von Kaninchen und Meerschweinchen

Fütterung von Kaninchen

 

zurück zu:

Aktuelles

Infos

 

 

Praxis:

Dr. Kristine Hucke
Dotzheimer Str.135a
65197 Wiesbaden
Tel: 0611 - 48 908

Sprechzeiten:

Terminsprechstunden:
Mo - Fr:
  9.00  -  12.00 Uhr
16.00  -  18.00 Uhr
Sa nach Vereinbarung

Die Top Seiten:

Geriatrie - Vorsorge
Regulationsmedizin
Einreisebestimmungen
Reisekrankheiten
Praxiszeitung
Abschied vom Haustier
Motorradtouren