Irland 2001 - Die Tourbeschreibung

Der vierte Tag in Irland:

Wieder beginnt der Tag mit einem herrlichen Sonnenaufgang in der Frühe. Der Blick auf den Lough Key, die Sonne wird reflektiert, toll,, wenn da nicht... ja , wenn es nicht Hunderte von Fliegen gäbe! Alles was zwei Flügel hat, ist an diesem Morgen unterwegs, im Zelt, am Zelt, vor dem Zelt, vor dem Haus, einfach überall. Eine sinnvolle Tourenplanung gelingt uns nur im Haus, sobald wir einen Fuß vor die Tür setzen, sind wir Opfer der kleinen Stechmücken, und die stechen, oh ja!

 

Heute wollen wir zu zweit nach Nordirland fahren. Die BMW K und die Transalp sind schnell gepackt, und so starten wir am Morgen, eigentlich ist es mehr eine Flucht vor den Mücken!

 

Zunächst statten wir Boyle einen kleinen Besuch ab und siehe da, wir finden sofort eine kleine Tierarztpraxis. Danach geht's weiter zum Lough Allen, bisher hatten wir ihn ja nur aus der Ferne gesehen, so biegen wir auf dem Weg nach Balcoo noch mal schnell zum Forest Park ab, der See liegt ruhig im Morgendunst, keine Touristen, nur ein einsamer Fischer erläutert uns die Abkürzung durch den Park. So geht es flott über Knockviear Bridge und Drumshanbo zum Ostufer des Lough Allen.

 

Diese Strecke kennen wir schon vom Pfingstsonntag, also fahre ich flott die Kurven der Landstrasse 207, immer schön links, ja, so langsam denke ich nicht mehr an die richtige Straßenseite. Ab und an ein Blick nach links auf den See, schöne Häuser und dann... Hoppla, nach der Linkskurve komme ich gerade noch zum Stehen.

Die große Schwarze und ihre Begleiterinnen begehren die gesamte Straße, also mache ich mich ganz dünne, Motor aus und warte, bis die Damen mit ihrem Nachwuchs mich ausgiebig beäugt haben und dann langsam weiter zur BMW trotten. Ob sie wohl wussten, dass dies ein Großtierpraktiker ist?

Gegenverkehr am Lough Allen

 

Weiter geht die Fahrt über Dowra, Gubaveeny zur N16 und dann weiter Richtung Osten zur Grenze. In Blacklion, einer kleinen, grauen Grenzortschaft, essen wir eine Kleinigkeit und dann wollen wir über die Grenze nach Nordirland. Langsam fahre ich zur Grenzstation, ein Wall, danach eine Grube mit einer braunen Brühe als Desinfektionsmaßnahme gegen die Einschleppung der MKS. Ein Grenzpolizist? Nein, niemand steht an der Grenze, niemand möchte unsere Pässe kontrollieren, hinter der Baracke spielen einige Männer Fußball. Dienstsport?

 

So fahren wir weiter  über die A4 nach Balcoound und Enniskillen. Hier tauchen wir direkt in das städtische Treiben dieser attraktiven Stadt mit uralter Geschichte. Sie liegt auf einer Insel, die den Lough Erne, den längsten See Irlands in den Upper Lough Erne und den Lower Lough Erne teilt. Oscar Wilde und Samuel Beckett gingen hier zur Schule und wir genießen eine Kaffee zwischen Kunsthandwerk und Porzellan. Weiter geht unsere Fahrt entlang des Lower Lough Erne, immer wieder zeigt der See sich und ein Abstecher nach Castle Archdale, einem herrlichen Landschaftspark.

 

 

Belleek's Hauptstrasse

Jetzt folgen wir der A47 über den für mich schönsten Teil unserer Tagestour: Die Straße führt durch Ardanskill und über die Boa Island. Links und rechts reicht das Wasser bis zur Straße. Oder: Fahren wir direkt durch das Wasser? Nach soviel Landschaft kommen wir nach Belleek, der Grenzstadt mit bekannter Töpfer- und Porzellan-Handwerkskunst. Die Straßen und ihre Häuser gleichen den Orten in Irland und doch ist es anders. Ja, es ist schnell zu erkennen, hier sind die Farben der Häuser noch greller, intensiver als in Nordirland!

 

Schnell ist ein passender Coffee Shop gefunden, ein Kaffee mit angeschlossenem Angler-Shop. Der Chef bedient persönlich, und das unser englisches Geld nicht mehr ganz für zwei Kaffee und zwei Sandwich reicht? "Oh, no problem!" Der Wirt und Angler freut sich über deutsche Gäste und nimmt lachend unser restliches Kleingeld entgegen und bringt uns unsere Stärkung. Nach einem kleinen Plausch geht es weiter, wieder über die Grenze, aber diesmal im Westen von Nordirland. Ob wir auch so einfach über die Grenze kommen wie am Mittag? Nicht ganz, hier wird genauer kontrolliert und die Motorräder erhalten auch eine obligate Dusche mit dem Dampfstrahler, zum Glück habe ich noch schnell das Visier geschlossen, so war ich nur von außen "desinfiziert".

Letzter Stopp in Nordirland

 

Der N3 folgen wir bis nach Ballyshannon, der Atlantik liegt ruhig vor uns und wir biegen auf die N15 nach Sligo ab. Nach flotter Fahrt ereichen wir den Großstadtflair von Sligo, reihen uns in die vielen Autos ein, von Ampel zu Ampel geht die Fahrt nur langsam weiter. Aber was ist das da vorne? Schau mal, eine silberne BMW K! Ja, in Sligo finden wir sie wieder, die deutschen Tierärzte mit ihren Motorrädern. Tina und Christian bringen Eddie gerade etwas Sprit, denn ohne Treibstoff will selbst eine geduldige GS nicht mehr!

 

Dieser Abend wird einen weiteren Höhepunkt unser Reise beinhalten. Nein, nicht die Kochkünste von Ulli will ich damit auf- oder abwerten, wäre ungerecht gegenüber unseren anderen Köchen, aber während Ulli für unser Risotto sorgt, spielt uns Andrea zusammen mit ihrem Musiklehrer einige irische Weisen vor. Toll, dieser Abend!

 
     
 
     
 

 

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Tourenüberblick

© 2000 - 2010 Text und Bilder: Dr. med. vet. Kristine Hucke, Wiesbaden